Heute, am 30. September, ist zwar der alljährliche “Tag des Kaffees“, doch stand
schon die ganze Woche im Zeichen des Kaffees; zunächst durfte ich in zwei verschiedenen gastronomischen Einrichtungen an eine teure Kaffeemaschine (La Cimbali) und mich daran austoben. Des Weiteren kam ich in den Genuss einer neuen Kaffeesorte: Yungas Bohnen aus dem bolivianischen Hochland.
Yungas Bio-Hochlandkaffee aus Bolivien (Foto: travelicious.tv)
Darüber hinaus habe das sehr zu empfehlende Buch von Ulla Heise “Kaffee und Kaffeehäuser” ein zweites Mal durchgelesen.
Wer sich für Kaffee als Genussmittel, Kulturgut, Handelsware und Politikum interessiert, der macht einen guten Kauf mit diesem Buch (bzw. ein Schnäppchen, wenn man es, wie ich, gebraucht erwirbt.) Wenn ich mit dem nun zwischengeschalteten Buch “Tiere essen” von Safran Foer durch bin, kommt das nächste Kaffeebuch an die Reihe.
So ging es dann früh an diesem Tage auf gen Köln-Ehrenfeld. Ziel war Kölns älteste Kaffeerösterei Schamong. Schamong Kaffee bietet allen Interessierten ein Showrösten an jedem Freitag um 10h.
Ein Blick hinter die Kulissen (Foto: travelicious.tv)
Hier kann man live miterleben, wie aus Rohkaffee dank Meisterhand ein Genussmittel wird.
Probat Trommelröster (Foto: travelicious.tv)
Probat Röster bei Schamong (Foto: travelicious.tv)
Hier sieht man noch die Qualitätskontrolle per Hand
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und hier führt der Herr des Hauses das Rösten von Rohbohnen an einer alten Probat aus Emmerich vor, die seit über 50 Jahren treu ihren Dienst tut.
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Da haben alle Sinne etwas davon: man sieht verschiedene Bohnensorten, sowohl roh wie auch frisch geröstet, fühlt diese, riecht den herrlichen Duft frisch gerösteten Kaffees und hört Wissenswertes rund um Anbau, sortentypische Eigenschaften und Verarbeitungsweisen sowie leidenschaftlich vorgetragenes Insiderwissen.
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Erst recht gibt es dann noch den einen Kaffee
Ein Kaffee zwischendurch (Foto: travelicious.tv)
und anderen Espresso dazu.
Ein Espresso zwischendurch (Foto: travelicious.tv)
Enttäuschenderweise hielten sich die Veranstaltungen in Köln zum Tag des Kaffees sehr in Grenzen. Nach kanpp über zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, und einem kurzen Wiedersehen mit Kölns berühmtesten Barista Fabio de Nittis, führte der Weg in die Kölner Innenstadt.
Faitrade hatte eine Infoveranstalung zum Thema “fairer Kaffee” angekündigt.
Info-Tag zu fairem Kaffee (Foto: travelicious.tv)
Nach kurzem Rundgang und einer Tasse kostenlosem Fairtrade-Kaffee
fairer Kaffee von Fairtrade (Foto: travelicious.tv)
ging es dann zur letzten Station: Den Vorrat an Kaffeelikör bei “vom Fass” auffüllen.
Wieder einmal hat sich die notorische Klausel “Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah” bewahrheitet. Neuerlich näher als gedacht – in Köln-Rodenkirchen. Auf einer Gesamtfläche von 54,6 Quadratkilometern leben hier ca. 100.827 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Meine vorlesesüchtige Begleitung ergänzte meinem Vorschlag, endlich einmal eines der im Gutscheinbuch aufgeführten Restaurants zu besuchen, einen weiteren Vorschlag: Vorher einen Abstecher nach Rodenkirchen zu machen. So ging es, begleitet vom letzten Aufbäumen des Spätsommers, zum südlichsten der linksrheinischen Stadtteile Kölns.
Das Stadtteilfest kombiniert mit einem Tag der offenen (Laden)Tür am gleichen Tage trug dazu bei, dass die Hauptverkehrswege in Rodenkrichen belebter waren also sonst. Am Maternusplatz vorbei, in das eine und andere Ladengeschäft hineingeschaut und den Begrüssungssekt abgestaubt ging es zum Rodenkirchener Leinpfad – auch bekannt als “Rodenkirchener Riviera”.
Sofort erinnerte mich alles an den Kurztrip nach Sylt. Um der Dehydration an diesem warmen Spätsommertag entschieden und regionentypisch entgegen zu wirken, fiel die Entscheidung zugunsten einer Rast auf der MS Rodenkirchen. Ein Schiff, dass fest angelegt hat.
MS Rodenkirchen (Foto: piratenbrut.de)
An einem sonnigen Platz mit herrlicher Aussicht gab es dann Kölsch und Weissweinschorle, dazu eine Portion gemeine Pommes Frites mit gemeinem Tubenketchup.
Snack auf der MS Rodenkirchen (Foto: travelicious.tv)
Schön zu entdecken, dass die Heimatstadt so Schönes zu bieten hat. Man kommt sich fast so vor wie am Meer; ruhige Flussbuchten, mit feinem Sand, Menschen, die baden, Gastronomie, wie an der Nordsee, Schiffe, Boote, Jetskis und Kleineres. Herrlich! Ich weiss, wo ich an schönen Sonnentagen nunmehr häufiger sein werde.
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So eine Portion Pommes hält nicht lange satt. Mit dem Gutscheinbuch bewaffnet ging ins La Plata-Patata in der Kurfürstenstrasse, ein Tischchen im kleinen Außenbereich ergattert, irritierte zunächst die sehr übersichtliche Getränkeauswahl zu gutbetuchtbürgerlichen Preisen; ein Weisswein, ein Rotwein, eine Flasche Wasser, Kaffee und lediglich San Miguel in der Flasche. Es heisst zwar “Wer die Wahl hat, hat die Qual”, aber keine Wahl zu haben, ist auch nicht sonderlich besser!
Tapas im La Plata-Patata (Foto: travelicious.tv)
Die Wahl fiel auf DEN Weisswein (0,5l Karaffe für 8 EUR) und DAS Wasser (0,7l no-name in der PET für 6 EUR). Bestellt wurden acht verschiedene Tapas: Wachteln im orientalischem Sud, Hähnchenbrust in Pfefferrahmsauce, Hähnchenbrust im Rotweinsud, Stockfischbällchen, mit Mandeln gefüllte Datteln im Speckmantel, Algensalat, Boquerones sowie frittiertes Krebsfleisch. von der Ailloli nahm ich nach ein, zwei Bissen Abstand, da am nächsten Tag ein wichtiger Termin anstand. Wahrlich keine Haute Cuisine, aber sättigend, und dank 50%-Gutschein (auf die Speisen) keine Fehlentscheidung.
Auf dem Weg zu einem Absacker in Wirtz gab es eine Kugel Schokoladeneis auf der Severinstrasse.
Schokoladeneis (Foto: travelicious.tv)
Im Wirtz angelangt, bildete ein frischgezapftes Kölsch den kulinarischen Abschluss eines wunderbaren Sonn(en)tages!
Wer kennt es nicht? Wenn man mal hierzulande, besonders aber im südlichen Europa auswärts essen gehen will, dann beginnt die Exotik nicht erst mit der herangebrachten Bestellung sondern schon in der Speisekarte . Da wird, abgesehen von kuriosen Tippfehlern, manch Speis und Trank “exotisch” angepriesen. Doch, was zunächst neugierweckend klingt, entpuppt sich oft als bekannte Hausmannskost. Diesem Phänomen begegnete ich bisher nicht nur im Ausland sondern auch schon in Deutschland.
“Marienhirte Hänschen” auf dem “Sockel der Sünde”?
Sich (oft leichtsinnig) auf sein rudimentäres Schulwissen oder (oft leichtsinnig) auf Online-Übersetzungsprogramme verlassend, benennt der Gastgeber triviale Speisen innovativ und wohlklingend. Bei manch Highlight auf der Speisekarte drängt sich einem der Schluss auf, dass der Inhaber einen angeheiterten Touristen um übersetzende Hilfe gebeten haben muss.
Pee-Noe No-Arh – prickelt auf den Stimmbändern
Doch, bei aller Kritik ist auch Lob angebracht – für die asiatischen Gastwirte, die via Quasi-Lautschrift Gästen zur korrekte(re)n Aussprache von z.B. anspruchsvollen Weinsorten verhelfen.
Obschon “der längste Desch vun Kölle” zum 32. Mal stattgefunden hat, habe ich das beliebte Veedelsfest am vergangenen Wochenende zum ersten Mal besucht.
Der längste Desch vun Kölle 2011 (Foto: travelicious.tv)
An zwei Tagen präsentieren sich die im Severinsviertel ansässigen Geschäfte, offerieren eigene Spezialitäten und weitere Angebote. Dazwischen kleine Fahrgeschäfte, Tandhändler und Handwerker, Piercings to go sowie je eine Bühne am oberen und unteren Ende der Severinstrasse. Dieser Mix war für viele auch Anlass zur Kritik, da schnell der Unmut über das sinkende Niveau des Strassenfestes aufgrund von Ramsch-Händlern die Runde machte.
Zur Einstimmung sollte es erst einmal ein Weisswein sein. So mühten wir uns an einem süffigen, doch fast lauwarmen Grauburgunder 2010 bei Daniels Getränke-Fachmarkt.
Grauburgunder 2010 (Foto: travelicious.tv)
Nach kurzem Streifzug ging es ins “Liebelein” auf einer Parallelstrasse für einen Plausch und einen Krug original Paulaner Wiesn-Bier.
Original Paulaner Wiesn-Bier (Foto: travelicious.tv)
Sodann musste etwa zu essen her. Zwecks provisorischem Abregen des Appetits fiel die Entscheidung zugunsten von Mettwürstchen.
Mettwürstchen to go (Foto: travelicious.tv)
Die Mettwurst machte Appetit auf mehr Wurst. Zur Bändigung dieses Verlangens wurde beherzt, von beiden Enden, die man der Wurst gemeinhin nachsingt, hineingebissen. Gewchmacklich überzeugte mich die Bratwurst jedoch nicht.
1/2 Meter Bratwurst (Foto: travelicious.tv)
An den halben Meter Bratwurst schloss sich ein Stück Kräutergouda vom fahrenden Holländer an. Aber, keineswegs um den Magen zu schliessen, da doch noch das eine oder andere zum Probieren anstand.
Kräutergouda (Foto: travelicious.tv)
Bedauerlicherweise hielt sich das Angebot an traditionellen Snacks sehr in Grenzen. Mindestens drei Rievkoche-Buden gab es. Wer aber urig-kölsch snacken wollte, musste dann doch in eines der anreinenden Wirtshäuser einkehren. Reibekuchen sind aber nicht meins. Genausowenig war mir nach dem notorisch-statischen Angebot der Glutamat- und Convenience-Buden, die man immer auf Strassen- und Volksfesten findet.
Angelockt vom Räucherrauch, angeregt von der frischen Vor-ort-Zubereitung sollte es dann ein Backf(r)isch werden.
Viel Rauch um Fisch! (Foto: travelicious.tv)
Backfisch ist eine der wenigen Ag”gegart”zustände von Fisch, die ich essen mag. Es war delikat. Die Remoulade und die gewürze, krosse Panade waren hierfür verantwortlich, der gebackene Fisch weniger; es handelte sich um den geschmacklosen Trend-Massenzuchtfisch Pangasius, was ich erst während des Verzehrs erfuhr.
Backfisch im Brötchen (Foto: travelicious.tv)
Nach einem Kölsch bei Café Schulze und am Bierwagen vom “Severin” war es dann Zeit für einen Nachtisch. So kam ich endlich in den Genuss meiner allerersten Dampfnudel, die in einer mit Nutella garnierten Vanillesoße schwamm. Der Riesling vom Weingut Sturm erwies sich als harmonisch dazu.
Dampfnudel mit Soße (Foto: travelicious.tv)
Ein “Sturm” im Weinglas (Foto: travelicious.tv)
Mit prallem Magen und angeheitertem Gemüt zog es uns dann, zum Abschluss, in die Gaststätte Wirtz. Von außen und von innen ist des dem Traditionshaus in der Kölner Südstadt anzusehen, dass es schon einige Jahre auf dem Dach hat.
Gaststätte Wirtz (Foto: Gaststätte Wirtz)
Seit 1889 kehrt der Kölsche hier zwecks Restauration ein. Deftige Kost und Kölsch zu bezahlbaren Preisen lassen nicht nur die Gaststätte jeden Abend voll werden sondern füllen auch die Luft. Man muss die üppigen Portionen gar nicht erst sehen. Es genügt die Nase zu recken, um zu erfassen, dass hier deftig und fettig gekocht wird. Das Hinweisschild “So werden Koteletts gemacht!” hängt nicht aus Zufall oberhalb der Essensausgabe!
freie Hand dank Taschenhalter (Foto: travelicious.tv)
Wir sicherten uns einen strategisch günstigen Platz an der Theke, deren Bestückung uns zunächst überwältigte: Kunterbuntes Allerlei bot hier dem Gasthausstaub viel Oberfläche, um sich abzusetzen; von der alten Registrierkasse in stylischer Mokkabraun-Ausführung über verschienede Miniatur-Stier-Ausführungen bis hin zur Bud Spender-Biographie. An die zur Perfektion getriebene Dekorationskunst von Rudis Salzstüble in Bad Dürrheim reicht es jedoch noch nicht heran.
Kölsch & Becherovka (Foto: travelicious.tv)
Nach wenigen Kölsch wurde mir der Becherovka empfohlen aufgedrängt. Laut Wikipedia handelt es sich bei Becherovka (ehemals Karlsbader Becher-Bitter) ist einen grünlich-gelber Kräuterbitterschnaps aus Karlsbad in Tschechien, der ausschließlich vom Unternehmen Jan Becher hergestellt wird.
Nach diesem warmen Becherovka mit 38% Vol. kann ich konstatieren: Je kälter er ist, desto trinkbarer ist er. Keine Überraschung, dass der Köbes einen entsprechenden, kritischen Hinweis mit einem Schulterzucken beantwortet und einen kecken Spruch ergänzt. Genauso unüberraschend, dass ein Köbes den Bierdeckel mit neuem Kölsch beschwert, wenn man es nicht rechtzeitig schafft, den Bierdeckel auf das geleerte Kölschglas zu legen. So wurden aus einem einige Kölsch.
Gaffel Kölsch im Wirtz (Foto: travelicious.tv)
vier auf einen Streich (Foto: travelicious.tv)
So ging es schöner Tag auf dem Veedelsfest auf der Severinstrasse zu Ende. Ein besonderer Dank gilt meiner vorlesesüchtigen Begleitung B.P.!
Ich kann sagen, ich freue mich auf die 33. Auflage in 2012.