
Stadtwappen (© badduerrheim.de)
Kürzlich musste ich wiedereinmal an den Geburtsort meines Kumpels denken, als wir auf der Wohnzimmercouch saßen und einen roten Österreicher probierten, da spielte im TV ein Volksmusik-Clip, worin die lippenbewegenden Trachtenständer vor einer Blockhütten-Saunalandschaft herumwatschelnd von Herzschmerz und Alpenglüh’n sangen. Die Szenerie erinnerte mich doch glatt an das Heil- und Thermenbad in Bad Dürrheim.
“Is this the way to Baa-ad Düürrheim…?”
Unmittelbar nach meinem Abstecher damals nach Saarbrücken machte ich mich denn auf gen Bad Dürrheim im Schwarzwald. Hätte mir ein besseres Navigationsgerät zur Verfügung gestanden, hätte ich keinen Umweg über den äußertesten Südwesten Frankreichs machen müssen. Nicht, dass ich das nicht wollen würde, doch war meine geplante Reise in den Schwarzwald in ein zu enges Zeitkorsett geschnürt.
Das Elsass, das ich umfuhr, um wieder Deutschen Asphalt unter meinen Reifen rauschen zu hören, werde ich sicher ein anderes mal besuchen – ist es doch bekannt als ein enklavischer Landstrich der deftig-leckeren Tafelfreuden. Eine Sauerkrautplatte mit Würsten und Speck, mit dem passenden Wein dazu, hätte mit Gewissheit meiner zeitnahen Weiterreise Einhalt geboten.
So kam ich dann, mehr oder minder planmäßig, im beschaulichen Bad Dürrheim an, nachdem mich die Serpentinen im nördlichen Schwarzwald im Auto hin und her schunkeln ließen. Eine wunderschöne Strecke mit überwältigend viel grün – und Luftfeuchtigkeit. Bad Dürrheim mit seinen ca. 13.200 Einwohnern ist ein anerkannter heilklimatischer Kurort und zeitgleich das höchstgelegenste Solbad Europas. Nur wenige wissen, dass Bad Dürrheim u.a. eine Städtepartnerschaft mit dem ungarischen Hajdúszoboszló [ˈhɒjduːsobosloː] hat.
Heimstatt bot mir das Elternhaus meines besten Freundes mit seiner beruhigend-abgeschiedenen Lage. Da Bad Dürrheim relativ klein ist, ist alles von überall gut zu erreichen. Insbesondere wenn man sich joggenderweise von der Stelle bewegt. Dies rate ich allen übrigen überzeugten Städtern an, da es eine ideale Gelegenheit ist, den Feinstaub (die Umweltzone in der Kölner Innenstadt wurde später eingeführt) aus den Lungen zu keuchen.
Bei einem erfahrenen Koch als Familienoberhaupt und einer nicht minderbegabten Köchin als Mutter kommt man nicht dazu auswärts zu essen. So gab es den typischen Schweinebraten, die Wurstvariationen mit Sauerkraut zu Hause. Das Ganze begleitet von Reissdorf Kölsch! Ja! Wissend, dass die Eltern, die den unverwechselbar-guten Geschmack von des Kölschen Leibgetränks zu schätzen wissen, habe ich ein kleines Fäßchen mitgenommen. Bootlegger-like “schmuggelte” ich also das süffige R(h)einheitsgebraute in das bierernste Pilsgefilde. Beim nächsten Mal nehme ich aber ein größeres Fass mit, zeigte sich doch, dass nicht nur mein Durst nach Heimat fast so groß war, wie der des gemieteten Opel Astras.
Hinein in die gute Salzstube!
Naja, somit kann ich also diesmal keine Restaurant- oder Hotelempfehlung aussprechen, wohl aber einen Ausgehtipp wärmstens ans Herz legen: Das Salzstüble. Der kuriose Rudolf hat sich auf diesen wenigen Quadratmetern des Salzstüble selbstverwirklicht; so ungeordnet er selbst auf den Uneinheimischen wirkt, so chaotisch-bunt ist das Interior seines Salzstüble.
Rudolf vom Salzstüble (© salzstueble.de)
Die Verniedlichung im Namen ist nicht weit hergeholt, ist dieser Kellerpub doch vollgestopft mit Gegenständen, Erinnerungsstücken und – allem Anschein nach – skurrilen Wegbegeleitern seines gezickzackten Lebenslaufes. Ein Sammelsurium an “Ach-das-werf’-ich-nicht-wegs”, ein Kalaydoskop aus Blickfängern. Dort drinnen will anscheinend nichts zueinander passen – so, wie die Gäste.

Bilderrätsel: Welcher Gegenstand passt nicht zu den anderen? (© salzstueble.de)
Zu Gast bei “Frooiiinden”!
Wer in Bad Dürrheim sein Verdauungsschnäpschen einnehmen oder sich mit einem Fürstenberg erfrischen möchte, dessen Weg führt ihn zum Salzstüble. Ein kunterbuntes Publikum, Jung und Alt, hiphoppende Honoratiorensöhne und einsame arbeitsame Asiaten – alle treffen sich hier und rücken – nicht nur wegen der räumlichen Gegenheiten – rasch eng zusammen.
Ich freue mich auf jeden Fall auf meinen nächsten Abstecher nach Bad Dürrheim! Denn dieser Kurztrip hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass Deutschland wunderschön ist, seine Menschen sehr eigen, seie Kultur und Landschaft vielfältig sind.
weiterführende Links:
- Stadtplan von Bad Dürrheim
- Schwarzwaldtourismus: Bad Dürrheim
- Veranstaltungen in Bad Dürrheim
- Heilbad SoleMar


