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Für alle, die gern "auswärts" essen!

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Bad Dürrheim – reloaded

September 1st, 2010 · Keine Kommentare

Wer den ersten Reise- und Speisebericht zu Bad Dürrheim gelesen hat, versteht, wie sehr sich meinereiner auf den zweiten Besuch gefreut hat. Diesen August war es wieder soweit.

Sich Neuem gegenüber offen zeigen – das war und ist meine Devise. Warum sollte dies bei der Wahl des Transportmittels aufhören? So ging es bei der neuerlichen, lange ersehnten Tour nach Bad Dürrheim ziemlich „dekabenz“ zu – soll heißen: in einer dicken, schwarzen Mercedes C-Klasse als Cabrio.

Obwohl das Wetter und die Aussichten für die Folgetage nicht wirklich Anlass für „oben ohne“ andeuteten, entschloss sich die kleine Reisegruppe zur Option „verdeckfrei“ und nahm sich vor, bei jeder sich ergebenden Gelegenheit das Dach aufzuklappen. So drückte der gut- und vor allem standesgemäß „behütete“ Fahrer immer dann den Knopf, wo Sonnenschein und Fahrtgeschwindigkeit eine unbedeckte Fahrt zuließen. Selbstverständlich ist an die passende Cabrio-Bekleidung gedacht worden – in enger Anlehnung an das notorische Lehrvideo „Thelma & Louise“. Daran und an den anderen Lehrfilm “Flucht vomn Alcatraz Alltagsbrass” lehnte sich auch das Motto der Fahrt an; einfach mal ‘raus, Kopp frei kriegen, flüchten vor dem, was nervt.

Die Entscheidung für ein Auto als Transportmittel ermöglichte es diesmal, vor Ort viel flexibler zu sein, und auch Ausflüge in die Region zu machen. Angekommen am Freitag Nachmittag stand erst einmal an, sich zu akklimatisieren. Man merkt, nicht nur am sattgrünen Umfeld, sondern eben auch an der Luft, dass man nicht mehr in der Großstadt ist! Herrlich, wie sich die allerfeinsten Kapillaren der Lungenflügel freudezuckend mit Blut befüllen, das mit klarer, reiner Landluft des heilklimatischen Kurorts.

Trotz Stärkung auf dem Rastplatz mit einer Fleischsemmel (Prädikat: gehaltvoll) mit mehr Fleisch als Brot und ungewaschenen Zwetschgen, musste doch noch ein Abendessen her.

Einmal Leberkäse mit Brötchen, bitte!

Einmal Leberkäse mit Brötchen, bitte!

Welch’ Glück, dass die gastgebende Mutter kein Detail unbedacht ließ; alles, für eine herrliche Gastzeit Notwendige, war bedacht – und beschriftet. So war es ein Leichtes, den Unmengen Tuppern, Tiegeln und Tütchen im Kühlschrank abzulesen, welch’ delikates Kleinod jeweils darin schlummert.

Griesnocken a la Tanze Zilli in Rindsbrühe

Griesnocken a la Tanze Zilli in Rindsbrühe

Den Anfang machte eine selbst aufgesetzte Rinderbrühe mit Fleischeinlage, in die wir die von Tante Zilli handgemachten Griesnocken hineinplumpsen ließen. Ein kleiner Hauch Pfeffer (frisch gemahlen), schon war alles so feinjustiert, dass das kühle Fürstenberg Weizen nicht anders konnte, als sich geschmacksharmonisch einzuordnen.

Fürstenberg Weizenbier

Fürstenberg Weizenbier

Herrlich! Nichtzuletzt, weil alles im gepflegten grün-umzingelten Garten bei untergehender Sonne stattfand. Als Nachtisch dann noch ein Kügelchen Schokoladeneis mit Schokosplittern. Yummyle, wie der Schwob sage tät.

Am Abend selbigen Tages ging es dann …richtig! Ins Salzstüble. Zwei große Fürstenberg je Person, dann folgten zwei Runden mit Schnaps. Schon tough, die Bad Dürrheimer, die ihre Schnäpse wohl gerne zimmerwarm zu sich zu nehmen pflegen. Kühl ist da nur das Bier aus der Zapfanlage und die anfängliche Haltung der Bedienung. Der Alkohol machte sich bemerkbar, doch der Aufbruch verschob sich ein wenig, da der Herr des Hauses sich dann doch noch blicken ließ. Er musste wohl erst noch die Spendierhosen anziehen, so dass er den „Seckeln“ je ein Glas lauwarme Cola mit irgendwas (das wohl weg muss) vorsetzte. Nun, selbstredend schaut man einem geschenkten Barsch nicht in den A…. – so würgten wir diese unentgeltliche Dreingabe hinunter und torkelten über Stock, Stein und Drahtzaun nach Hause. Welch’ Tiefschlaftrunk! Ein Zaubertrank, der nicht einmal wilde Furien bemerken liess, die ihr künstliches Augenlicht in der Mitte der Nacht zu suchen gedachten, dabei – für Hexen und Teufelskinder typisch – zischten und fluchten! Ein böser Alptraum, hätte ich gemeint, hätte ich auch nur eine Silbe vom bestialischen Gekrähe der Höllenbumsfürstin mitbekommen.

Samstag

Wenn es ums Frühstück geht, so kauft der Bad Dürrheimer seine Brötchen nicht irgendwo. Da nimmt man zwei Schritte mehr in Kauf und erwirbt Semmeln „handgemacht – nach alter Tradition“. So auch wir. Nach einem üppig-leckeren Frühstück bei dem es u.a. Laugenbrezeln mit Sesam(!) gab, machten wir uns auf gen Schaffhausen. Zunächst ging es an der Sauschwänzlebahn vorbei. Eine Fahrt damit stand als Option für den Anschluss an.

Sesam, entferne Dich! Laugenbrezel mit Sesam

Sesam, entferne Dich! Laugenbrezel mit Sesam

Nach erwarteter Stichproben-Kontrolle unserer Papiere an der Schweizerischer Grenze, fuhren wir im beschaulichen Schaffhausen ein. Schnurstracks ging es zu den Rheinfällen, die sich mir „kleiner“ darboten, als erwartet, dennoch nicht minder imposant. Nach obligatorischen „Ich war da“-Fotos ging es spazierend weiter bis zum Gasthaus Schlössl. Dort bestiegen wir ein Boot, das uns zum einem bis zum D-CH-Grenzstein und schließlich ganz, ganz nach an die tosenden Wasserfälle führte. Nichts für Haarspray-Frisuren und Pudergeschminkte!

Link: Rheinfälle nah 4

So ging’s den Berg hinauf ins Schaffhausener Zentrum, hinein in den Supermarkt zwecks Snackerwerb. Den Spar-Block Raclettekäse ließen wir dann doch vor Ort, nahmen statt dessen Rivella und Choco-Schaumküsse mit.

Darfs ein bisschen mehr sein?

"Darf's ein bisschen mehr sein?"

Muuuah! Schocos Schaumküsse

Muuuah! Schocos Schaumküsse

Nur Einheimische dürften bei einer Blindverkostung im Stande sein, Rivella zu erkennen. Für unsereins ist der Geschmack weder zu deuten noch zu ersinnen, woraus er sich zusammensetzt. Ein Blick in die Zutatenliste schafft Abhilfe; Rivella, nach eigenen Worten seit 55 Jahren das Nationalgetränk Nr. 1 der Eidgenossen, enthält neben Wasser Lactoseserum und Süssstoff. Anders als die Eidgenossen, habe ich es mit Leid genossen.

Wer hoat´s erfuuund´n? Na, die Schweizer 8-(

Wer hoat´s erfuuund´n? Na, die Schweizer 8-(

Nach Schaffhausen ging es denn wieder Heim, wo sich eine neuerliche Gelegenheit zur Verköstigung von Wein anbot. An das Mitbringsel, eine handgemachte Schokoladenspezialität aus der Region, wagte sich keiner heran. Zwar gibt es Menschen, die essen Schokolade zu Wein, doch diese Schokolade ist besonders – es sind hauchfeine Blättchen aus weisser und dunkler Schokolade, jeweils mit frischem Basilkium oder Chili. Kaum ging der letzte Rest der zweiten Flasche Wein im Glase zur Neige über, machten wir uns auch schon auf zum Abendessen. Gemäß Empfehlung suchten wir das Gasthaus „Zum Löwen“ im Brigachtal auf und bestellten uns die Grillteller mit gemischten Beilagen, begleitet von einem großen Fürstenberg.

Eine Salatmischung vorweg

Eine Salatmischung vorweg

Naja, ein Gasthaus eben. Punkt. Deckte sich das Interior und Gestalt der dort Schaffenden mit den typischen Erwartungen, wurde es im hinteren Trackt dann doch moderner – vom Fliesenboden zum Teppichboden, vom Holzvertäfelten zum Seniorenheim-Cafe.

ChARMant - Gasthaus Zum Löwen

ChARMant - Gasthaus "Zum Löwen"

Trotz großer Auswahl wurde es der Grillteller mit Spätzle, Pommes und Herzoginnenkartoffeln als Beilage. Dazu ein großes Fürstenberg.

Samstag Abend wurde ein „Ruhiger“ gemacht. Die Knochen erwiesen sich dann doch als zu müde, um noch mal zu Rudi ins Salzstüble zu gehen. Das lag sicherlich auch am Dauerregen. Anderseits aber auch am deftigen Abendessen und den anschließenden Schnäpsen während des Verwandtschaftsbesuchs. Denn im Anschluss an das Gasthaus “Zum Löwen” wurde noch kurz bei der Verwandtschaft vorbeigeschaut, die aus der hinteren Ecke des Schrankes gehütete Schnapskleinode hervorzauberte. Nach einem Kräuterschnaps gab es dann den „Ziebärtle“, eine Rarität, wie ich mir sagen ließ. Das liegt daran, dass die Ausbeute vergleichsweise niedriger ausfällt als bei anderen Pflaumensorten. Daher ist der Zibärtle (aka Zibartenbrand) hochpreisiger.

Über Ecken und Kanten vom Schwarzbrenner des Vertrauens erhalten, beunruhigte mich die nackte Flasche anfangs, die nur mit einem kleinen Beschriftungszettelchen versehen war. Doch im Nachhinein erwies sich der/die/das Ziebärtle als trinkbar. Glück gehabt. Bis heute muss ich keine gelbe Binde am Arm tragen! :-P

Astro-TV wirkte nicht wirklich einschlaffördernd, da die Lachattacken das Hineindösen in den Halbschlaf immer wieder kurzer Hand unterbrachen. Wir hätten es dem Wahr(ver)sager nachmachen und den “hohen Rat befragen” sollen, was denn alternativ um die Uhrzeit machbar ist. Naja, dann ging es doch zeitig zu Bett.

Sonntag

Am Sonntag ging es dann zu den Vogtsbauernhöfen, eine Freilichtmuseum, das das Leben im mittelalterlichen Schwarzwald rekonstruiert. Alte Häuser und Domänen, irgendwo im Schwarzwald abgebaut und an diesem Orte wieder errichtet. Original erhaltene Mühlen, Backöfen und Kräutergärten. Teilweise mit Schlafzimmern, die so aussahen, wie meines – vor der Renovierung. Nach Rundgang und Bestaunen der damaligen Lebensweise in einfachsten Verhältnissen, gab es im Anschluss die obligatorische Schwarzwälder Kirschtorte mit einer Tasse Kaffee dazu.

Ein Stück vom Glück: Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee

Ein Stück vom Glück: Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee

Die hohen Eintrittsgebühren für den höchsten Wasserfall Deutschlands in Triberg verschreckten uns. So dass wir weiter zogen. Gegen Nachmittag erreichen wir das traute Gastheim und sahen dem Abendessen unter Beiwohnen der rückgekehrten Gasteltern freudig entgegen. Diese waren beim St. Laurentius-Tag in Münster, der im Jahr zuvor in Köln stattfand (s.a. St. Laurentius-Tag 2009).

höchster Wassefall Deutschlands in Triberg

höchster Wassefall Deutschlands in Triberg

So bot sich dem Liebhaber der gutbürgerlichen traditionellen Küche ein Augenschmaus; eine üppig-bunte Vesper, quasi Abendbrot mit allerlei Auswahl an leckeren Wurst, Käse und Beilagen.

Da musste im Anschluss ein Verdauungsspaziergang her. So ging es alleine hin zu bisher noch unentdeckte Ecken von Bad Dürrheim. Durch den Kurpark und die Gässchen – hin zum Salzstüble. :-P Na, ein Abschiedsbierchen musste noch sein. So mündete die Entschleunigung in zwei Fürstenberg Weizen.

Abschieds-Weizen im Salzstüble

Abschieds-Weizen im Salzstüble

Kaum in der gastgebenden Heimstatt angelangt, fand ich auch schon eine gesellige Runde vor. Na, da reihte ich mich doch gerne ein und leistete Gesellschaft. Kaum saß ich am Tisch, ergoss sich ein vorzüglicher Garnacha in mein Weinglas. Verwundert schauten die Gastgeber drein; da stecken zwei ihre Nasen tief ins Glas, rütteln, schlotzen und schlürfen, statt den Wein einfach nur zu trinken. Aber, bei derlei Deliziösität kann man ein Weinglas nicht acht- und gedankenlos leeren! Man muss ihn ehren, man muss ihn zelebrieren, und so die Leistung des Winzers würdigen!

Schon folgte auch die Zweite einer Selección von sechs erlesenen Flaschen, die schon lange Zeit im Keller ihr Dasein verborgen fristete, weil es bisher an Gelegenheiten gefehlt habe …und dann kamen wir! So dann folgte Knabberkram, Winschgerl und Aufschnitt von unsagbar-leckerem Schinken. Ein Mindermengenschinken, handgemacht, geräuchert und mariniert mit einer Paste aus Kräutern und zermahlenen Traubenkernen! *sabber*

Rotwein und abendliches Vespern

Rotwein und abendliches Vespern

Ein köstliches Beisammensein, herzlich, warm und familliär, aber es gelang dem Gastgeber doch glatt, noch eine Schippe d’rauf zu tun. Wenn Du glaubst, da geht nichts mehr, kommt, von irgenwo, ein Schnäpschen her! Aber nicht irgendein Schnäpschen! So stand dann plötzlich ein Original Fränkischer Hochmoorgeist auf dem Tisch.

Fränkischer Hochmoorgeist

Fränkischer Hochmoorgeist

Williamsbrand und übriger Geist sind ja nicht wirklich meins. Anfangs als “einer-wie-jeder”-Schnaps abgetan, entpuppte sich dieser Brand als wahre Köstlichkeit! In kleine Schnpasgläser gefüllt (ja, die gibt es auch als Mini-Weissbiergläser), wird dieses hochprozentige Feuerwasser angezündet, so dass die anfänglichen 56% Alkohol sich wandeln lauwarmen, nussig-schokoladigen Balsam für Rachen – und Seele!

Feuer und Flamme - für den Hochmoorgeist

Feuer und Flamme - für den Hochmoorgeist

Wer bin ich geworden?

Ein Teil von jener Kraft
Die stets das Gute will und das Richt’ge schafft
Ich war’s, der Geist stets verneint!
und das mit Recht: denn Schlechtes, was aus Obst entsteht
Ist wert, daß es zugrunde geht
Drum besser wär’s, wenn’s gleich schon echt.
So ist denn alles, was nicht schlecht,
also in Ordnung, kurz das, was man Hochmoorgeist nennt,
nunmehr mein eigentliches Element!

So würde ich es beschreiben, wäre ICH Mephisto. Dennoch werde ich mir ein, zwei Fläschchen von dem nicht überall erhältlichen Hochmoorgeist bestellen. Ein edler Tropfen, der sich nicht nur geschmacklich, so auch vom Preis her von den anderen Geisten unterscheidet. Kein Wunder, dass der Gastgeber – unter Einsatz seines Lebens – die Flasche an sich nahm und entschwandt – entschlossen den letzten Rest zu verstecken!

Montag

Nach leckerem Frühstück machten wir uns planungsgerecht auf zum Schwenninger Moos. Ein Naturschutzgebiet bei Villingen-Schwenningen und Quellort des Neckar. Natur pur, sattes grün, Wasser und Sumpf. Sehr zu empfehlen für Jogger, Wanderer und Powerwalker.

Schnwenninger Moss: Des besagten Römerschatz fand dennoch kein Torfbauer

Schnwenninger Moos: Des besagten Römerschatz fand dennoch kein Torfbauer

Für die Rückfahrt mussten dann die Energiereserven aufgefüllt werden. So gab es dann Roularden mit leckerer Krautfüllung, selbstgestampftes Kartoffelpüree und Wurzelgemüse. Auf der Rückfahrt ergötzen wir uns an der selbstgemachten Vesper – Wurst- und Schinkenbrote mit ordentlich Butter! Yummy!

Brotzeit auf der Rückfahrt

Brotzeit auf der Rückfahrt

Ach jaaa… viel zu schnell verging die Zeit. Doch, was als kurze Momente verlebt worden ist, wird undendlich lange in der Erinnerung bleiben. Auch ein Trost. Darauf einen Dujardin Hochmoorgeist.

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