Der Krampf mit dem Stierkampf hat ist demnächst vorbei – zumindest nur in der spanischen Region Katalonien. Denn dort wird ab 2012 die Austragung von sog. “Corrida de Toros”, also Stierkämpfen, verboten sein. Mir gefällt Spanien sehr. Deswegen habe ich es oft und umfangreich bereist. Zu einem Stierkampf damals in Barcelona hätte mich aber keine zehn Stiere gezerrt – unabhängig davon, dass sie da selten stattfinden. Seltener als z.B. in anderen Regionen. In Madrid und vor allem Sevilla und nicht zuletzt Pamplona finden sie weitaus häufiger statt.
Festival de San Fermin, Pamplona
Andere Länder, andere Unsitten
Auch in Madrid, Sevilla und Valencia war ich schon. In Valencia kommt man gar nicht drum herum, die zentral gelegene Stierkampfarena nicht zu übersehen. Im Pamplona war ich (noch) nicht. In diesen und übrigen Städten ist Stierkampf seit Jahrzehnten, wenn nicht mehr, zur kulturellen Identität. Ein heißes Eisen somit, an das sich die Politik nicht traut. Wollen die kleinen Buben bei uns noch Feuerwehrmann oder Astronaut werden, da entfährt einem spanischen Niño ein “Torrero!”. Was sonst. Die mit dem Stier tanzen gelten als Popstars und werden von Jung bis Alt angehimmelt.
pan y juegos
Ändern wird sich so schnell leider nichts, so befürchte ich. Grade in Krisenzeiten braucht das Volk identitätsstiftende Ablenkung. Und Spanien befindet sich derzeit in der schwersten ökonomischen wie auch sozialen Krise seiner Geschichte. Da wird also weiter geworfen werden: Von Tomaten bis hin zu Herzen in Richtung Torrero.
Als ein Trauerspiel bezeichnet es Earnest Hemingway in seinem Essay Tod am Nachmittag (orig. “Death in the Afternoon”) von 1932. Für ihn ist der Stierkampf kein Sport sondern ein grausames Spektakel, das er nicht rechtfertigen will, doch aber möglichst zutreffend beschreiben.
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