Alle Jahre wieder… geht es mindestens einmal zum Luftkurort Berlin. So konnte ich auch dieses Wochenende wieder Berliner Luft schnuppern. Freundschaftspflege kostet Geld, ist ihren Preis aber allemal wert. So sollte es sich nicht vermeiden lassen, dass ab und an auch etwas zur genussvollen Begegnung des leidlichen Hungergefühl unternommen worden ist.
Es begann schon mit dem Frühstück, wo ich mit dem überrascht worden bin, an dem ich beim KaDeWe sonst nur schmunzelnd vorbeistreife – Fiji-Wasser. Man mag es nicht glauben, doch es schmeckt – tatsächlich – wie Wasser. Aber, so, wie es unterschiedliche Cola-Marken und Sorten gibt, die eben wie Cola schmecken, gibt es Wässerchen verschiedenster Geschmacksnuancen. Ein Tatbestand, der es auch ermöglichte, das Berufsbild des Wassersommeliers ins Leben zu rufen.

Having breakfast like those in Hollywood (Bild: travelicious.tv)
Das Gegenstück zum Frühstück gab es dann am Abend. Auch wenn es sich um kleine Gläser handelt, sollte man hier nicht zu aperitief ins Glas schauen. Während andere Fähnchen schwenken, stoßen wir mit einem (oder auch zwei) Deutschlandcocktail auf das Quasi-Vaterland an! Prosit ‘Schland!

Ein feucht-fröhlicher Abend wirft seine Schatten voraus...
Welch’ glücklicher Umstand, dass es da neuerdings einen Delikatessenhändler in unmittelbarer Nähe zu meinem Gastgeber gibt. So landete, nach einem patriotischen Getränk, der dessen zu erwartende Nachwirkungen sichtlich seine Schatten voraufwarfen, am Abend ein Medium gebratenes Hüftsteak mit Mischpfeferkruste auf meinem Teller, begleitet von frischem Pflückmischsalat, der mit einem amerikanischen Dressing angemacht und irischen Cheddarraspeln veredelt war. Mann, mann, mann… welch Geschmacksexplosion! Herrlich, diese Salatkomposition! So hat sich das stieren auf das Resthäufchen Salat auf dem Teller meines Mirgegenübers gelohnt. Ich erhielt (s)einen Nachschlag. Als ob das nicht genug wäre, gab es Büffelmozzarella mit dreierlei Tomaten – rot, geld, schwarz! Mega-schlaaand-ig lecker! Heruntergspült wurde all dies dann mit “Absolut Vössler Himbeer”.

Fleischeslust in Berlin
Nach einem leckeren Frühstück am Sonntag Mittag machten wir uns auf eine Odysee nach leckerem Kuchen und Kaffee im Herzen Berlins. Nach hin und her, der Befragung Einheimischer, kehrte man dann doch da ein, wo man fürchtete, dass man landen würde. Leider ist das Cafe Berio nicht mehr so einladend seit dem kürzlichen Inhaberwechsel. So brachte uns dann “Mrs. Doubtfire” unsere Getränke samt bestellter Balsamico-Kirschtorte (meins), Rüblitorte und einem Stück ‘Sommerfrische mit Beeren’ vorbei. Während wir dies alles verputzen, schauten von der einen Wand Moshammer und werte Mama, von der anderen Seite Siegfried & Roy samt Tiger von ölbemalten Leinwänden auf uns hiernieder.
Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, doch es klappte wirklich. Wir machten uns auf zum Döner-Essen. Nicht irgendwo, nein, bei der Institution, von der ich ja bereits in diesem Speisenblog berichtete: Mustafa’s Gemüsekebab – nur wenige Meter entfernt von Curry36. Eigentlich war für den Abend ein Trio von frischen Tortellini mit Salatbeilage angekündigt, doch dann entschied man sich spontan doch für den, laut New York Times, besten Döner Deutschlands. So stellten wir uns geduldig in die lange Schlange (Es gibt keinen lebenden Augenzeugen, der selbige einmal kurz erlebt hätte.) Nach ca. 30 min waren wir an der Reihe und ich bestellte in feinstem Kings Turkish drei Dürüm komplett.

Qué bab! Dürüm rülez! Mustafa sowieso!
So erhielten wir jeweils drei große Dürüm-Röllchen im Alukleid, gefüllt mit Hähnchenfleisch, frittierter Nachtschattengemüsevariation. Mustafas “Geheimnis” ist, dass er dem zerkleinerten Kebabfleisch frittierte Kartoffel-, Auberginen- und Zucchinistücke beimengt. Hinzu kommen, klassischerweise, Tomaten, Zwiebeln, Romana, ein Spritzer Zitronensaft und eine Sauce nach Wahl. Zu dieser Sauce kommt dann auch die obligatorische Sojasaucenabwandlung, deren Zubereitung streng geheim ist. Wer möchte kann, sollte aber nicht den an Feta angelehnte Weisskäsebrei weglassen.
Überraschenderweise fügt sich dieses Kompendium an geschmacks- und temperaturunterschiedlichen Ingredienzien final zu einer wahrlichen Geschmackskalorienbombe zusammen. Deliziös! Döner schmeckt immer nur dann wie Döner, wenn Döner wie der Döner sonstwo zusammengestellt wird. Mit eben aber einigen Extentionen und einem Feintuning wird ein leckerer Mustafa-Dürüm daraus. Den schmeckt dann dann leicht wieder heraus. Es war so lecker, dass ich mich hinreissen liess, die nicht mehr zu schaffende Hälfte des Dürüms der Begleitung zu vertilgen. Die Fassbrause sowie das Erdbeerlime im Anschluss halfen bei der Verdauuung.
Auf der Rückfahrt fuhren wir dann an den Stationen vorbei, die wir bei beinem nächsten Berlin-Besuch anzusteuern gedenken – “Hühnerhaus” und “Kreuzburger” – letzterer ansässig in einem ehemaligen Bahnstations-WC unterhalb der durch Kreuzberg führenden Bahntrasse, ausgestattet mit einem Nummerndisplay, das anzeigt, wer unter den hungrigen Wartenden als nächstes seine Bestellung aufgeben darf.
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