Ei, ei, ei, wo fahr’ ich hin!
Ostern 2010 – das gleiche Problem, wie auch über die Weihnachtstage: Ich möchte verreisen, jedoch keinen Badeurlaub machen. Es ist ein christliches Fest, insofern sind Feiertage kein geeigneter Umstand für eine Städtetour.
Lösung: In ein nicht-christliches Land reisen. Die ägyptischen Metropolen Kairo, Luxor und Alexandria habe ich ja schon über Weihnachten 2009 bereist. so liebäugelte ich dieses Ostern nun mit den marrokanischen Metropolen und dem im Dauerausbau befindlichen Dubai. Nach langem Hin und her entschied ich mich für einen Städtetrip nach Dubai und Abu Dhabi.
Mit einem Emirates-Großraumflieger ging es ab Düsseldorf über nach per Direktflug nach Dubai. Der neue, große, moderne Flughafen ist dank neuer, großer, moderner, günstiger, klimatisierter Metro gut an das städtische zentrum angebunden. Die neueröffnete Metroverbindung bedient auf lediglich zwei Linien primär die Längstachse der Stadt, die sich auf eine riesige Fläche erstreckt. Letztlich kommt man nicht umhin auf ein Taxi auszuweichen. Dies ist insofern unproblematisch als dass es da derer unzählige gibt; neuere Fahrzeuge, klimatisiert, spottbillig und mit Fahrern in Uniform.
Dubai und insbesondere Abu Dhabi sind keine Destinationen für einen längeren Aufenthalt. Viele Besucher gastieren in Dubai als Stop-Over-Ziel bevor sie zu einem ferner liegenden Zeil weiterfliegen bzw. ihr Kreuzfahrtschiff für eine mehrtägige Tour über das Rote Meer besteigen.
Jumeirah Beach Park, Dubai (Foto: travelicious.tv)
Jumeirah Beach Park, Dubai (Foto: travelicious.tv)
Jumeirah Beach Park, Dubai (Foto: travelicious.tv)
Money makes the desert go round
Dubai und Abu Dhabi können nicht mit kulturhistorisch gewachsenen Sehenswürdigkeiten aufwarten. Aus einem kleinen Fischdorf wurde, nach zufälligem Ölfund, innerhalb weniger Jahrzehnte eine moderne Metropole. Es gibt im Stadtteil Deira jenseits des Creek noch das städtebaulich “alte” Dubai zu sehen.
Auf Sand gebaut(?)
Das neuere Dubai hingehen ist gekennzeichnet durch neuzeitlichem Baustil und dominiert von fertigen und unfertigen Wolkenkratzern, die sich in Höhe und Form gegenseitig überbieten zu wollen scheinen.
Blick gen Finance Center Dubai (Foto: travelicious.tv)
Burj Khalifa, 818m (Foto: travelicious.tv)
Die Scheichs und Khalifen sind sich dieser Herausforderung bewusst und setzen das dank Öl freigesetzte Kapital in die Aufhübschung der Emirate ein; es werden nachträglich Superlative geschaffen, die als besondere Alleinstellungsmerkmale Dubai & Co. attraktiver für Touristen und Investoren machen: künstliche Inseln in einer noch nie dagewesenen Form werden mit noch nie dagewesenem Aufwand im Meer aufgeschüttet, das höchste bewohnte Gebäude der Welt (Burj Khalifa) wurde hochgezogen, die großen Shoppingmalls (z.B. Dubai Mall) wurden errichtet, Skihallen und Schlittschuhbahnen werden eröffnet, eine Formel1-Strecke ist bereits in Betrieb genommen, irgendwann sollen ein Guggenheimmuseum und mit “Masdar City” eine 0-Emission-Stadt gebaut werden. Die Führer der Emirate locken Firmen mit unwiderstehlichen Konditionen, investieren in Bildung und Forschung sowie Kunst und Kultur.
Die arabische Küche
Der Arbeitskräftebedarf zur Bewerkstelligung dieser Aufgaben prägt das Bild Dubais. Man sieht sehr viele Gastarbeiter aus Indien, Pakistan und China. Neben Touristen erblickt man eben auch sesshaft gewordene Menschen aus Europa und nicht-arabischen Ländern. Letztenendes prägt dies natürlich auch die Küche. Es gibt keine arabische Küche. Arabische Küche liesse sich als Sammelbezeichnung für die gring differierenden Strömungen verwenden.
Die arabischen Länder sind sich in ihren typischen Speisen und Zubereitungsweisen ziemlich ähnlich. Neuer hingegen ist der stärkere Einfluss und die zunehmende Präsenz der indischen und chinesischen Küche. Morgenländisches Fastfood ist, so wie amerikanisiertes Kaffeeaufbrühen, allgegenwärtig. Die riesigen Malls beispielweise verfügen alle über sog. Food Courts, wo es dem Hungrigen schier schwerfällt, zu entscheiden, was er denn bei der großen Auswahl essen soll.
In den Seitenstraßen hingegen findet man eher die heimischeren Restaurationsmöglichkeiten – das Kebabhaus und z.B. die winzigen
indischen “Gaststätten” mit sehr übersichtlichem Speisenangebot. Wer nicht sicher ist, ob er seinem Magen die regionalen Speisen zutrauen kann, kann auf europäische Restaurants oder die Speisenabteilung der riesigen Carrefour-Niederlassungen ausweichen.
In meinem Apartment-Hotel in Dubai hatte ich eine eingerichtete Küche. Davon habe ich abends Gebrauch gemacht und begnügte mich
das eine oder andere Mal mit arabischem Fladenbrot, Foul und alkoholfreiem Holsten als Abendbrot.
arabisches Brot & Auberginenpaste (Foto: travelicious.tv)
Holsten alkoholfrei (Foto: travelicious.tv)
Interessant auch, dass Obst und Gemüse merklich anders schmecken als man es aus hiesigen Gefilden gewohnt ist. Nun, auch dort schmeckt eine Karotte nach einer Karotte und eine Tomate nach einer Tomate – aber eben anders. Auch Farbe und Konsistenz sind oftmals anders als gewohnt.
Gewürze und Essenzen in Natura
Empfehlen kann ich auch den Besuch des Gewürz-Souks in Deira, ebenso den kleinen Tante-Emma-Läden, wo man aus einer Vielzahl von Gewürzen und übrigen Zutaten wählen kann. Wer Zimt & Co. nur gemahlen kennt, ist hier richtig, um zu sehen wie Gewürze unsprünglich aussehen und welche übrigen Gewürze es gibt. Des weiteren finden sich hier eine große Auswahl an verschiedenen Nusssorten – in unterschiedlichen Verarbeitungen. Honig, Essenzen, Sirupe und Co laden ebenso ein, probiert und mitgenommen zu werden.
Ansonsten habe ich, getreu meinem Prinzip, natürlich möglichst oft möglichst regional-typische Spezialitäten zu probieren gesucht: arabische Burgermenues vom arabischen Burgerbrater über Kebab-to-go bis hin zu libanesischem Komplettmenü.
Um dann in Deutschland meine fast zur Institution gewordenen Themenabende umsetzen zu können, habe ich zusätzlich einige typische Speisen eingekauft. Diese habe ich dann im Rahmen eines “arabischen Abend” in Form von Meze, also einer Auswahl verschiedener Vor- und Hauptspeisen, zubereitet und aufgetischt. Dazu Sandelholz- und Weihrauchstäbchen.
In Dubai als Nichteinheimischer an Alkohol zu gelangen ist so einfach nicht. In den meisten einfachen Supermärkten sucht man bspw. Bier mit Alkoholanteil vergeblich. Am ehesten in einer der wenigen, aber riesigen Carrefour-Filialen. Schweinefleisch soll es angeblich in ausgesuchten Supermärkten geben. Hotel- und Gaststätten müssen eine Alkohollizenz beantragen, um diesen dann ausschenken zu dürfen. Ich habe mich, wie geschrieben, mit gewöhnungsbedürftig-schmeckendem Holsten ohne Alkohol begnügt.
Abu, Dhabin ich gewesen!
Wenn ich schonmal so weit fliege und einen der viereinhalb Tage opfern kann, dann wollte ich dies für Abu Dhabi tun. So nahm ich den Bummelbus vom Al-Gubaiba Busbahnhof nach Abu Dhabi. Die Fahrt dauert ca. 2h. Ohrenstöpsel einzupacken ist meinerseits sehr empfoheln.
Abu Dhabi ist das Manhattan des nahen Orients. Es ist kompakter als Dubai und erinnert städtebaulich stark an den nordwestamerikanische Metropole. In Abu Dhabi ist das Geld, die Hochfinanz. ementsprechend moderner und reicher wirkt es auch. Für den Städtetouristen ist Abu Dhabi nicht wikrlich eine Option. Mehr etwas aus der Reihe “Einmal sehen und abhaken”. Ausser mit Shopping, das wiederum in Umfang und Güte nicht an Dubai rankommt, und dem Flanieren an der Corniche, wird man seinen Tag kaum anderweitig herumbekommen. Angeraten sind die Abu Dhabi Mall und die Marina Mall. Der Blick vom Dach der Marina Mall zur Skyline der Stadt macht einen faden Kaffee gleich wieder genießbar.
Chicken Kebab Menü, Abu Dhabi Mall (Foto: travelicious.tv)
Zu guter Letzt – und das könnte zur Tradition werden – ein neuerliches Lob meinen mir treuen Adidas Turnschuhen, denen man nachstehend noch das rastlost-wüste Wüstenwandern ein wenig ansehen kann. Ich freue mich, Euch bald wieder für die nächste Tour aus dem Schuhschrank zu holen!
Meine mir treuen Adidas-Sneakers (Foto: travelicious.tv)
weiterführenden Links:
Auswärtiges Amt: Vereinige Arabische Emirate
DUBAI:
Meine Hotelbewertung: Waterfront Hotel Apartments, Dubai
ABU DHABI:
Meine Hotelbewertung: Novotel Centre, Abu Dhabi
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