Kurzrezension: “Der Gastronaut” von Stefan Gates
Nachdem der Speiseblog travelicious.tv erfahren hat, dass Stefan Gates aka “Der Gastronaut” ein Buch geschrieben hat, wurde es für nur EUR 4,99 inkl. Versandkosten bestellt.
Auf 239 Seiten der deutschen Ausgabe schlägt der in London geborene und dort wohnhafte Gates einen amüsanten und kurzweiligen Bogen von “essbar” bis hin zu “vermeintlich essbar”. Seine kullinarischen Abenteuer für Romantiker, Tollkühne und Unverzagte erstrecken sich über sieben Kapitel und beinhalten neben 80 Handzeichnungen von Stefanie Roth 70 Rezepte zum nachkochen.
Ich habe das Buch in der deutschen Fassung gelesen. Der britische Humor ist sehr eigen. Insofern kann ich nicht allgemeingültig ermessen, inwiefern selbiger unter der Traduktions ins Teutonische “gelitten” hatben mag. er Originaltext wurde leicht überarbeitet und gekürzt. Alles in allem scheint Hans Wolf, Jutta Orth und Stefanie Roth die Übersetzung in ein properes Deutsch sehr gelungen.
Gates ist sicherlich ein Mutiger, was andersartige Zubereitungsmethoden und das Verspeisen von andersartig Zubereitetem angeht, und steht damit in einer Reihe mit medial-bekannten Probiermutigen wie z.B. Andrew Zimmern. In seinem Buch räumt er Platz ein für kuriose Kosterlebnisse seit seiner Kindheit, zählt skurrile Kochutensilien auf, rückt die Erotik des Essens und dank des Essens in den Mittelpunkt.
Erbsen, Bohnen, Linsen – bringen den Arsch zum grinsen!
Gates zeigt sich kühn und unverzagt, weil er mit Parfum und anderen Duftwässerchen kocht – u.a. um zu beweisen, dass die Nase mitisst. A p(r)opos Nase: Sein Mut geht weiter; im Selbstversuch sucht er die Grenzerfahrung für sich und seinen Magen-Darm-Trakt. An einem Tag all das verspeist, was notorisch zu Flatulaenz führt. Am Ende riskiert er mit diesem olfaktorischen Super-GAU fast seine Ehe – seine Frau konnte ihn am Ende “nicht mehr riechen”!
Andere Länder, andere Tischsitten
Der Journalist wird investigativ, befasst sich mit dem Thema Kannibalismus und fördert interessante Erkenntnisse zu Tage. Nach der Lektüre und auch Sichtung der Episoden seiner auf BBC (und Youtube) gesendeten Reihe “Cooking in the Dangerzone” hat man Gates sicher auch zum fressen gern.
Das Buch ist insofern sehr informativ, weil es auch ein spezifisches Geschichtswissen vermittelt. Angefangen von den Maya über die lukullischen Römer bis in die heutige Zeit werden die eine und andere
essenskulturhistorische Anekdote aufgetischt. Das Buch ist informativ und auch praktisch, da es das Kochen an sich nicht zu kurz kommen lässt.
Etliche Rezepte sind hinterlegt, darunter auch ein Leitfaden für alle die, die schon immer mal Schweinskopfsülze selbst herstellen wollten. Er beweist, dass die bei derlei Schweinerei ungeübten Schwein haben müssen, damit nach vier Tagen etwas Essbares herauskommt.

- (via Amazon.de)
Stefan Gates: Der Gastronaut
239 Seiten,
Gerstenberg Verlag, Hildesheim
PS: Das nächste Buch, das ich zu lesen anstrebe, ist “Die Genussformel” vom Wiener Physikprofessor Werner Gruber.
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