istanbul2010.org
Der gestrige Artikel auf taz.de erinnerte mich daran, dass Istanbul in diesem Jahr eine von drei europäischen Kulturhauptstädten ist. bei den beiden anderen Städten handelt es sich um das ungarische Pecs und Essen, stellvertretend für das Ruhrgebiet.
Kaum bekannt gegeben, entflammten schon die Diskussionen, ob den Istanbul überhaupt zu Europa gehöre, ob es seinen diesbezüglichen Status nicht mit der Eroberung und letztlich Islamisierung Konstantinopels durch die Türken verloren hätte. Faktisch gehört Istanbul zur Türkei, faktishc gehört die Türkei nicht zur Europäischen Union. Fakt ist aber eben auch, dass dies über hunderte von Jahren der Fall war. Unbestreitbar auch, dass die Metropole sich geografisch auf zwei Kontinente erstreckt.
So oder so, Istanbul bietet eine Fülle von Kultur: architektonisch, religiös, geschichtlich, in Hinblick auf Musik, Literatur, darbietende und bildende Kunst, ja, und letztlich eine breite, bunte Esskultur. Was letzteres anbetrifft, so habe ja einige meiner Geschmackseindrücke in meinem Istanbul-Posting geschildert. Insofern umschließt die Klammer der Idee der Europäischen Kulturhauptstadt Istanbul zu recht.
Jeder kann sich selbst überzeugen, wie modern Istanbul ist. Eine Metropole, die weiterhin stark von gesellschaftlichen Gegensätzen geprägt ist, dennoch getrieben ist von einem westlich orientierten Spirit. Ich meinerseits fand sich gegenseitig tolerierenden Traditionalismus und Modernität vor – verkörpert u.a. in jungen Trendpionieren mit provokanten Haarschnitten und mutigen Musterkombinationen, selbstbewussten Mädchen, die gemeinsam in altmodischen Restaurants gemeinsam Iskender mit Ayran zu sich nehmen. Verschleierte Frauen, die sich in der Betrachtung von Exponaten in Museen verlieren. Die vielfältige Fülle an Veranstaltungen in den tagesaktuellen Veranstaltungskalendern hat mich überrascht. Begeistert hat mich die denkmalgeschütze Erhaltung der alten Gebäude um den Galatatturm herum und die zahlreichen Zufluchtsmöglichkeiten für die diversen Subkulturen und Nischenmillieus – von denen einige Vertretungen nicht zuletzt dank Fatih Akins “crossing the bridge” Auge und Gehör fanden.
weiterführende Links:
- Istanbul 2010 (engl.) & Programmheft (engl.)
- UNESCO Weltkulturerbe: Istanbul
- Merian: Holzhäuser in Istanbul
- Merian: Istanbul, Oxymoron am Bosporus
- türkische Küche (engl.)
- Essen & Trinken in Istanbul (engl.)
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