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Syrah & Co. Dekantieren oder karaffieren?

November 19th, 2009 · Keine Kommentare

Am vergangenen Wochenende gab es mal wieder einen Rotwein zu trinken. Praktischerweise brachten ihn meine Gäste gleich mit. Es handelte sich dabei um einen jungen Syrah aus Australien. In Australien ist diese Rebsorte eher als Shiraz bekannt. Ich gebe schon seit sehr langer Zeit fast ausschließlich europäischen Rotweinen den Vorzug; nicht nur, weil sie nicht minder gut schmecken als die Tropfen aus Übersee und Neuer Welt, sondern, schlicht und ergreifend, weil es zudem ökologisch unvernünftig ist, weil ich dem Import aus derlei weitentfernten Regionen nicht wirklich Vorschub leisten möchte.

Nun, traditionellerweise wird im engsten Freundeskreis gleich zu den bauchigen Weingläsern und der Karaffe gegriffen. Es ist, ja es war eigentlich immer schon Usus, dass wir den Wein immer “dekantiert” haben. Dem “Bildungsfernsehen” sei dank, erfuhr ich, dass dekantieren aber nicht gleich dekantieren, sondern karaffieren ist. Somit unterscheidet letztlich der pennible Fachmann auch zwischen Dekanter und Karaffe.

Grundlage des Unterschieds ist das jeweilige Alter bzw. der Alterszustand des Weines. Alte, langezeit ruhig gelagerte Weine, die nicht filtriert worden sind, weisen oftmals Ablagerungen am Flaschenboden auf (sog. Dekantat oder Depot). Das Dekantieren dieser Weise, also das behutsame Umfüllen des Weines in eine andere Flasche oder einen länglichen Dekanter, dient der Trennung des Weines vom den sedimentierten Trübstoffen, die sich i.d.R. negativ auf den Geschmack und die Trinkhaptik auswirken. Dabei wird der Wein langsam und im Gegenlichte einer Lichtquelle – traditioneller – und eleganterweise ist dies meist eine Kerze – umgefüllt, so dass die Ablagerungen sichtbar werden, sobald sie den Flaschenhals erreichen.

Da ältere Weine eine weniger stabile Strutur aufweisen, sollte auf einen länglichen Dekanter zurückgegriffen werden, da der Wein darin eine vergleichsweise kleine Oberfläche gewinnt, und so die Reaktion mit Sauerstoff minimiert wird. Anders ist dies bei jungen Weinen.

Junge, kräftige, gar im Barrique ausgebaute Weine, die einen hohen Gehalt an Gerbstoffen (Tanninen) enthalten werden karaffiert. Die Menge an Ablagerungen hält sich hier meist sehr in Grenzen, so dass es weder einer Kerze noch zärtlicher Behutsamkeit bei dem Umfüllen in eine Karaffe bedarf. Grade bei Rotweinen, die kräftig im Geschmack sind, gereicht eine bauchige Karaffe insofern zum Vorteil, weil hier der Wein dank größerer Oberfläche schon in der Karaffe mit dem Sauerstoff reagieren kann. Im Zuge dieser Reaktion verliert der Wein den Großteil der Bitterstoffe.

Video: Wein klassisch dekantieren [05:05 min]

All das muss aber nicht wirklich sein. Denn besagter, kurze Zeit im ausgebrannten Holzfass gelagerter Syrah aus Australien schmeckte letztenendes trotzdem, obwohl er nicht karaffiert worden ist, sondern direkt ins Glas glitt. Man musste ihm nur ein wenig Zeit geben, mit der Luft zu reagieren. So war es ein interessantes Geschmackserlebnis, zu erleben, wie der Wein quasi mit jedem Schluck anders, ja somit besser schmeckte. Doch kann es anderseits nicht schaden, einen besonderen Wein noch besonders zu machen, wenn man den Trinkgenuss mit begleitendem, dezentem Schischi zu zelebrieren weiß. Wie heisst es doch so schön; das hat was!

Wikipedia: dekantieren

Weitere Infos & Tipps zum dekantieren & karaffieren: manor.ch

Videotipp: Hendrik Thoma – “Verkosten, aber richtig!” [08:34 min]

Tags: 3_Schmexikon

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