Kürzlich dachte ich wieder einmal an den Kurztrip nach Sylt mit meiner Bekannten Beatrice. Herrlich war das! Überraschenderweise hatten damals schon die Billigflieger die deutsche Insel in der Nordsee erschlossen. Mit dem Zug wäre es ökologisch sinnvoller gewesen anzureisen, doch was der modernen Bequemlichkeit halber hinterlässt man einen dauerhafteren CO2-Footprint für einen vergänglichen Fussabdruck im feinen Sylter Strandsand.
Es war mein erster Urlaub auf einer Insel. Ich freute mich auf die erwartete Ruhe und Beschaulichkeit. Doch die findet man, so stellte sich nachher heraus, kaum auf Sylt. Ab und an gelang es bei dem einen oder anderen Strandspaziergang (nach Zugangsgebührentrichtung) und den Fahrradtouren über die Insel. Wer es sich leisten kann, kommt in einem der teureren Hotels unter. Die mit schmalerem Budget telefonieren und mailen sich die Fingerspitzen wund für ein etwas günstigeres Ferienzimmer bzw. -wohnung. So schlief ich im unteren Teil des kleinen Kinderhochbetts und die weibliche Begleitung – anstandshalber – im Mama-und-Papa-Bett. Letztenendes hatten wir nur zwei Nächte zur Inselerkundung zur Verfügung. Dennoch nahmen wir beide viiiiele positive Eindrücke mit, von denen wir heute noch zehren.
A propos zehren: Ich bin nicht wirklich ein Fischesser. Doch ich erkannte vor Ort und zuletzt in Zeeland (Niederlande), dass ich mich doch ab und an trauen darf, Fisch zu probieren. Den puren Fischgeschmack mag ich nicht. Doch ist er aromatisiert, also gewürzt oder den Eigengeschmack erweiternd zubereitet oder mit einer passenden Beilage versehen, so kann auch ich von genießen sprechen. So war es, dass ich mich anfangs nicht am Krabbenbrötchen beteiligen wollte, zu dessen Verzehr sich meine Begleitung bereits in der Gosch-Niederlassung am Kölner Flughafen verpflichtet sah. Quasi als Einstimmung des Gaumens auf all das, was da noch kommen mag.
Sehr zu empfehlen ist, sich Fahrräder auszuleihen, was wir auch getan haben. Neben den Spaziergängen fuhren wir dann auch mit dem Linienbus bis nach List, ans andere Ende der Insel. Auf dem Weg dahin hätte der Anblick der Landschaft ebenso darauf schließen lassen, dass man auf Lanzarote oder einenanderen Vulkaninsel ist. In List, da machten wir schließlich auf Schickimicki. So schauten wir, die beiden Spontan-Adabeis, uns nach einem Austern-Restaurant um. Wir fanden schliesslich einen Familienbetrieb, der sie selbst züchtet, fängt, lagert, vertreibt und zubereitet. Nach einer kurzen Begehung der Betriebsstätte von Austernmeyer kehrten wir im kleinen Gastraum ein. Es war weder günstig, noch sättigend, doch ein Genuss; Austern auf dreierlei Art – natur, überbacken und gedämpft. Dazu, genau, ein Glas Wein. Die Restmenge an Austern, die zur Sättigung gefehlt hat, holte ich zu einem späteren Zeitpunkt bei einer Firmenfeier im Edelfischrestaurant direkt am Hamburger Fischmarkt nach. Wer für Austern nicht bis nach Sylt fliegen will, kann heute schon ins KaDeWe oder die “Delikatessen”-Abteilung des Kaufhof einkehren.
Doch, vor Ort, da wagte ich mich desöfteren an die Gosch’sche Speisekarte; Krabbenbrötchen, Kartoffelsuppe mit Krabbeneinlage, gebratene Garnelen und
dazu jeweils ein leckerer Wein. Wenn es einem dann auch noch gelingt, z.B. ein Plätzchen mit guter Aussicht auf das Meer bei Gosch am Kliff zu ergattern, möchte man gar nicht mehr aufstehen!

Das delikate Abendessen am letzten Abend entsprach aber dann doch nicht der Sylter Tradition. Das Rahmenprogramm des Essens bildeten dann “Daniela” & ihr Rüde, ihres Zeichens beachtliche Bernhardiner, die den Raum zwischen unserem und dem Nachbartisch ausgedehnt ausfüllten. Statt Fischfilet in Weissweinsauce und passender Beilage gab’s bei mit Salat mit Lammfiletstreifen. Es erwies sich als nicht mindergeeignet als Grundlage für die Gläser Wein, die dann im Anschluss an der Bar gemeinsam getrunken worden sind. Hinzu kamen sporadische Versuche, die Berhardinerhalterin zu imitieren, die sich mit singularer Stimme in Disziplinierungsversuchen an “Daniela” schwer tat. So kann man Sylt also auch genießen.
Die Rückreise fiel ins Wasser. Es goss wie aus Eimern, so dass das Warten auf den wetterbedingt verspäteten Flug im zur umbaubedingt zur Wartehalle ausgebauten Blechcontainer in eine fortwährende Quälerei unserer Ohren ausartete. Leider hat niemand die Zeit gestoppt; aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die ca. 100 m zur Einstiegstreppe des wartenden Flugzeuges, zwecks Durchnässungsminimierung, in weltrekordverdächtiger Zeit geschafft haben müssten. Durchnässte Schuhe und Socken wurden im Flugzeug ausgezogen, was Petrus wohl übel nahm, und sich mit Böden, Blitzen und Luftlöchern rächte! Also, für eine lange Zeit habe ich jegliche Fahrgeschäfte und Freizeitparks danach gemieden!
Mein Urteil zu Sylt: travelicious!
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