h4ck3d by cr4ck – iMhatimi.ORG

Für alle, die gern "auswärts" essen!

h4ck3d by cr4ck – iMhatimi.ORG header image 2

Ägypten – Teil III: Alexandria, verblasster Glanz am Mittelmeer

November 13th, 2009 · 2 Kommentare

Wer mein Blog bisher aufmerksam verfolgt hat, weiss, dass ich eher der Städte- und Rundreisemensch bin. Zweifelsohne hat Ägypten viele Sehens- und Erlebungswürdigkeiten zu bieten. Alleine eine Nilkreuzfahrt bietet zu Sehendes satt – Landschaft, Tiere, Städte und Siedlungen am Nil und letztlich auch die Menschen. Nicht zu vergessen, die Reste der antiken Bauwerke, Grabmäler und Siedlungen, die ansatzweise noch von einer versunkenen Hochkultur zu erzählen vermögen.

Nichtsdestotrotz, wenn einem nur eine Woche über Weihnachten zur Verfügung steht, so muss der Städte- und Rundreisephile Schwerpunkte setzen. So fiel die Wahl der dritten und letzten Station der Ägypten-Tour auf Alexandria, die zweitgrößte Stadt des Landes. Kaum ein Reiseführer, der nicht zu schwärmen weiß von dem Glanz und der Pracht, die Alexandria schon immer so besonders gemacht haben soll. Nun, wer sich heute dahin wagt, dem wird ein großes Maß an Phantasie abverlangt, um sich vorstellen zu können, wie anmutig und gloriös die Königs- und Präsidentenresidenz gewesen war.

Allein der Flughafen lässt Zweifel aufkommen, dass Alexandria groß und wichtig ist – auch wenn der Hinflug von kairo dorthin in einer mit nur 4 Passagieren besetzten Boing 747 erfolgte! Ein sehr ungewöhnliches Flugerlebnis war dies. Ich musste an den Container auf Sylt denken,der damals als Provisorium für die Wartenden verwendet wurde. Auch der Flughafen von Al-Iskenderia ist weit entfernt vom Zentrum. Und irgendwie scheinen hier die Taxifahrer dreister und sich ihrer Sache sicherer. Insofern liess ich mich auch hier schnell breitschlagen anstatt in der kalten, regnerischen Nacht weiter zu verhandeln. Die sind echt eingeschworen, die Brüder! Nach anstrengender Überwindung der Sprachbarriere und langer Suche fanden wir mein Hotel (siehe Bewertung unten) direkt gegenüber dem ehemaligen Herrschaftssitz, dem Al-Montaza-Palast. Sogar das Meer kann man sehen, wenn man denn kein Schäbiger-Innenhof-Zimmer zugewiesen bekommen hat. Trotz 4-Sternen der Landeskategorie würde ich es nicht wirklich Anspruchsvollen weiterempfehlen. Bei mir zählte wieder der Preis und die Lage aufgrund der Tatsache, dass ich das Hotel nur zum Schlafen aufsuchen würde.

Alexandria verteilt sich auf eine große Fläche. So gerne ich zu Fuss gehe, um entsprechend viel zu sehen, so merkte ich rasch, dass ich an meine Grenzen komme. Insofern fuhr ich weitaus häufiger mit dem Taxi – auch wenn es nicht unüblich ist, dass das herbeigerufene Taxi irgendwann stoppt und weitere Fahrgäste aufnimmt. Warum auch nicht, dient es doch der besseren Auslastung und dem Umweltschutz! :-P Ebenso ungewöhnlich sollte es nicht sein, dass der Taxifahrer gar keine Fremdsprache spricht, nicht weiss, wo Du hinwillst und auch keine Stadtpläne lesen kann, Namen der Plätze verstehen und Bilder von Bauwerken erkennen kann. In solchen Situationen erweist es sich dann als vorteilhaft, wenn es ungeplante Mitfahrer gibt, die auszuhelfen versuchen.

Der Versuch mit dem Zug stadtintern Distanzen zu überwinden schlug auf Anhieb fehl. Wo kann man denn hier Tickets kaufen? Wo finden ich Linien- und
Fahrtzeitenpläne ausgehangen? Vergeblich. Ein kurioses Erlebnis wurde mein Versuch ein Ticket für den Zug von Alexandria zum Kairoer Hauptbahnhof zu kaufen: nach langer Suche fand ich eine verwahrlostes Häuschen am Bahnsteig, das als alles andere anmutete als eine offizielle Ticketeinrichtung (Uniformen, Namensschilder und dergleichen sucht man in Ägypten vergebens!). So erhielt ich ein Fitzelchen Papier und wunderte mich, wie schlicht doch Tickets bei der Nationalbahn sind. Im Zug nach Kairo erwies es sich aber als Kurzstreckenfahrschein mit innerstädtischem Gültigkeitsbedarf. Ich erkaufte mir die Gunst des arabisch-aufbrausenden, nicht wirklich als solchen zu identifizierenden Schaffners mit einer Instant-Strafzahlung. In welcher Höhe? Keine Ahnung. Du gibst ihm Geld, er nimmt es sich und gibt Dir wieder etwas zurück. Reicht es nicht, so verlangt er nach mehr – so wie der Sammeltaxi-Schaffner mit der variablen Preisgestaltung, der Bananenhändler und und und.

Das schönste Panorama bietet die Kilometerlange und beidseitig fünfspurig ausgebaute Küstenstraße (die dem Verkehrsaukommen immer noch nicht gerecht zu werden scheint). Von dort aus sind die wenigen interessanten Sehenswürdigkeiten erreichbar. Wer sich auch hier wieder in die hinteren Straßen, weil vermeintliche Abkürzungen verirrt, sieht die Heruntergekommenheit, die Armut, den Dreck und die teilweise erschreckende Verwahrlosung. Keiner da, der Dich versteht und verstehen will, wenn er oder sie überhaupt mit Dir reden will. Die Kenntnis der Lingua Franca erweist sich manchmal eher als Hindernis. Ich esse wenig, insofern kam mir das zu pass, weil auch hier die Lokalitäten nicht zum lukullischen Laben einladen.

Ich esse viel Obst, insbesondere Bananen, wegen der Energie- und Magnesiumzufuhr. Gott, Tonnen habe ich verschlungen von den sonnenanbetenden Gelbfrüchten. Und, Schande über mich, ich bin ein oder zweimal im Fastfoodversorger eingekehrt. Interessant auch, wo man auf selbige bzw. Einkaufszentren trifft, wo man sie gar nicht vermutet hätte. In Gebäuden, die nur Einheimische kennen zu scheinen, der dem Neuling in der Stadt kein visueller Hinweis entsprechende Orientierung verschaffen würde.

Gut auch, dass ich mir Desinfektionsspray eingepackt habe. Oft kam es zum Einsatz – unumgänglich insbesondere wenn man das zerfledderte Papiergeld verstauen und verwenden muss. Allzuoft so verdreckt, dass der Schein und dessen Wert nicht auf anhieb zu erkennen ist. Den Euro in dem Zustand würde nicht mal die Zentralbank zurücknehmen, um nicht zu sagen, dass man Strafe wegen Geldbeschädigung fürchten müsste.

Sehr schön ist es die ganze Strecke entlang der Küste zu fahren; Sonnenschein, koloniale Häuserfassaden, Spaziergänger und die rastlos heranrauschenden Wellen des Mittelmeeres, dort zu stehen, wo einst der Leuchtturm von Alexandria gestanden haben soll. Die nicht minder berühmte Bibliothek von Alexandria steht zwar noch, doch erwartet man ein altes, verstaubtes, Geschichte verströmendes Gebäude, so erlebt man eine herbe Enttäuschung; dem Bücherwurm präsentiert sich ein modernes, geschwungenes Glasgebäude, zu dem der Zugang nur mit Eintritt möglich ist.

Zwei Tage Alexandria waren ausreichend für mich, zumal zeitweise gar der Abbruch meiner Reise wegen extremster Magenverstimmung und Fieber drohte. Doch ich hielt durch. Nach Ankunft in Kairo und dem vergeblichen Versuch zeitnah eine Fach für meine Tasche bei der Gepäckverwahrung zu bekommen, blieben wenige Stunden in Kairo vor dem Rückflug. Diese nutze ich dann, nach Kofferabgabe gegen “Aufpreis” für ein Schlendern durch das Zentrum und die Einkaufsstraßen. Ich widerstand wieder einmal der Versuchung der offenen Garküchen und fliegenden Fleischgriller, kehrte bei KFC ein und stärkte mich mit Bananen.

Schließlich begann wieder die Suche nach einem Taxi, das harte Verhandeln, eine laaaange Fahrt zum Flughafen, die zwischendurch von der Pinkelpause des Fahrers unterbrochen wurde und der unfreundlichen Behandlung am Flughafen durch Bedienstete und Sicherheitskräfte. Am Eingang wird vermeintlich streng kontrolliert, doch bei der Besteigung des Flugzeugs so gut wie gar nicht! Was hätte man da nicht alles in die Maschine der TUIfly schmuggeln können. Ein Sicherheitsleck, was mich – offengestanden – ein wenig beunruhigte.

Unterm Strich habe ich die Zeit in Ägypten genossen. Es war ein sehr prägendes Erlebnis, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat und – nach so intensiver Konfrontation mit dem dortigen, schwierigen Lebenswirklichkeiten mit einem anderen Auge auf die hiesige Realität schauen lässt; den Überfluss, die Ordnung, die Sicherheit, die Sauberkeit, und und und. Es hatte für mich etwas von einem “mentalen Jetlag”, weil es ein klein wenig dauerte, wieder mit den hier unkritisch-gesehenen Selbstverständlichkeiten vertraut zu werden. Wir sollten wirklich wertschätzen, wie gut es uns in Deutschland geht, wie geordnet und sauber es ist, das wir Sozialsysteme und staatlich garantierte Infrastrukturen haben, Essen können was wir wollen und wieviel wir davon wollen. Wir sollten Natur und Umwelt schätzen und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere Bürgerrechte, Politik und Korruptionskämpfung, unser Glück, das wenn man sich anstrengt und sich seiner Selbst und dem, was man will bewusst ist, das man dann grundsätzlich die Möglichkeit hat, daraus etwas zu machen und selbstbestimmt zu Leben. Eben nicht jedem auf der Welt werden diese Privilegien zuteil. Auch das dürfen wir nicht vergessen.

Hotelbewertung: Aifu Horizon, Alexandria

Ägypten – Teil I: Kairo, Moloch am Nil

Ägypten – Teil II: Luxor, Oase am Nil

Tags: 1_Tastinations

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 The Tea Embassy // Apr 9, 2010 at 17:24

    Du scheinst von dem Thema viel Ahnung zu haben. Freu mich schon auf weitere Posts :)

  • 2 auswanderer // Aug 3, 2010 at 13:51

    saba el5eir

    Ja so wie du das beschreibst ist dein Eindruck von Alexandria schon richtig.
    Ich habe die Erfahrungen einen Monat lang gemacht und diese Eindrücke haben mich dazu bewegt, für ein Jahr in dieses Land zu ziehen. Das Land, die Menschen, die Mentalität ist einzigartig. Wo ich dir widersprechen muss ist die Hilfsbereitschaft der Menschen. Da habe ich ganz andere Werte erlebt. Jeden Morgen, als ich das Haus verlassen habe, wurde mir vom “Wachmann”, der wahrlich nur das Nötigste hatte ein Frühstück angeboten. Und ich konnte die Freude in seinen Augen sehen, wenn ich es angenommen habe. Ich konnte kein freundlicheres Volk finden. Hilfsbereit, ehrlich, echte Werte, und doch etwas aufbrausend..man muss diese Menschen verstehen und in manchen Situationen hilft das richtige Wort. Aufdringlichkeit ist den Einwohnern angeboren, was man ihnen aber durchaus nicht böse nehmen kann. Man kann es mit Tauben vergleichen..Wo gefüttert wird, tauchen sie auf und es entsteht Gewohnheit.
    Wobei es in Kairo weitaus schlimmer ist als in Alexandria, wo man sehr wenig Tourismus kennt.
    Die Sauberkeit und Hygiene ist in der Tat nicht die Fortschrittlichste, was in einem Wüstenstaat jedoch nicht ungewöhnlich ist..
    Schöner Bericht, ins Schwarze getroffen ;)

Hinterlasse ein Kommentar