Meine zweite Station nach Kairo war Luxor am Nil. Nach vergeblichen versuchen einen Bus zum Flughafen am Hauptbahnhof zu finden, entschloss ich mich dann ein Taxi zu nehmen. Nach harten Verhandlungen fuhr mich dann der gewiefte Fahrer über Bordsteine und den Gegenverkehr verdrängend zum Flughafen von Kairo. Von dort flog ich dann mir Egypt Air nach Luxor. Ich hätte auch gerne den Zug genommen, der in weiten Strecken am Nil entlang verläuft. Doch mein straffer Zeitplan erlaubte dies nicht. So flog in zu einem akzeptablen Preis und in nur einer Stunde nach Luxor.
Spätabends gelandet und von der Kühle überrascht, gab ich bei meinen Verhandlungen mit den dortigen Taxifahrern schneller nach als sonst. So ließ ich mich dann von einem beduinischen Fahrer zum Steigenberger Nile Palace chauffieren. Er stammt aus Assuan, der Stadt mit dem berühmten Staudamm, zu der ich es – ebenfalls aus Zeitgründen – nicht schaffen würde.
Ich habe mich lange informiert, Preise verglichen und letztlich für ein 5-Sterne Hotel der Landeskategorie entschieden. Nichtzuletzt wegen meiner Papiere,
dem Laptop, dem Bargeld und schließlich der Erfahrung in Kairo, wollte ich dann doch in ein vermeintlich sichereres Hotel einkehren. Bei umgerechnet knapp EUR 35 pro Nacht fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Zumal auch, weil das Hotel direkt am Nil und insgesamt zentral liegt.
Luxor ist klein, aber fein. Die Hauptstraßen und die Uferpromenade sind aufgehübscht, aber schon in der zweiten Nebenstraße wird man wieder mit der
Armut des Landes konfrontiert. Zwei Tage haben mir gereicht, um die Sehenswürdigkeiten abzuschreiten. Reisen ins Umland, zu Tempelanlagen und Ähnlichem
ließ ich sein. Aber der Tempel der Hatschepsut und das Tal der Könige sind natürlich ein Muss!
Auch hier braucht man als offensichtlicher Tourist ein dickes Fell. Man geht keine zwei Schritte ohne dass man von Verkäufern bedrängt, von Pferdekutschnern mit den permanenten “Kaleeesh, Kaleeesh!” rufen verfolgt und von Fährenbetreibern zur Überfahrt zur anderen Seite der Stadt eingeladen wird. Es ist schon anstregend, andererseits aber verständlich, da die Leute mehrköpfige Familien zu ernähren haben. Bis auf ein mal konnte ich mich nicht mehr halten und ließ mich zu einem lautstarken Disput mit einem dreisten Fährmann ein. Naja.
Der Tempel vor Karnat ist ein Muss, ebenso der Luxor-Tempel. Bei diesem habe ich einem der dortherumlaufenden Männern ein Bakshish versprochen, wenn ich denn auf das Minarett inmitten des Tempels dürfte. Es hat sich gelohnt, eine schöne Aussicht. Da hab ich mir den teuren Eintritt in den Tempel gespart. Wer zuerst den Tempel der Hatschepsut besucht, sollte, statt dem Bus oder dem Taxi, zu Fuss über den Berg laufen, in den der Tempel gemeißelt ist. Nicht ganz einfach, aber es lohnt sich. Eine göttliche Aussicht, ein erhabenes Gefühl und eine frische Brise sind Belohnungen dafür.
Vorsicht beim Herunterklettern auf der Rückseite ins Tal der König! Nicht nur aufgrund der Einzelpreise, sondern auch wegen der Zeitknappheit entschloss ich mich, doch nur in die Grabkammer von Tut-Anch-Amun für ca. 8 EUR zu steigen. Ich hatte mir mehr erhofft, war offengestanden enttäuscht von der Enge und dem Fotografierverbot. Aber dorthin zu gehen und nicht hinunterzusteigen wäre wohl eine Sünde gewesen.
Es gibt das eine oder andere Restaurant in Luxor, das vorgibt Speisen europäischer Art aufzutischen – für die, die auf Nummer sicher gehen wollen. Doch mir reichte das oppulente Frühstücksbüffet des Steigenberger (mit dem scheusslichen Kaffee!) und der eine oder andere Teigsnack auf der Straße. Das andere Mal, man glaubt es kaum,
kehrte ich schließlich doch in McDonald’s ein. In Kairo, im Übrigen, auch. Ein kleines, schmales Häuschen von dem man las, das es irgendwo nahe Luxor-Tempel sein sollte. Sich bei den Einhemischen durchzufragen gestaltete sich schwierig. Doch schließlich erwies sich Ronald McDonald meiner gnädig und ließ mich in der Ferne das goldene M erkennen.

Kaum eingetreten, merkete man den Vorteil von globalisiertem Franchising – wiedererkennbarer Standard, Putzkräfte und eine KLimaanlage. Ich bin nicht
wirklich ein Fastfood-Freund, aber ein Menü mit bester Aussicht aus dem dritten Stock direkt auf den Luxor-Tempel zu genießen, lässt viele
Gegenargumente in sich zerfallen.

Typisch dann auch, dass man im laden dann mehrheitlich Touris vorfindet. Die Preise sind nicht für jeden Luxorianer bezahlbar. So outet sich der, der hineintritt meist als Tourist, der, wenn er denn wieder heraustritt, von Kindern und Bettlern belagert wird. Ich händigte meinen Milchshake schließlich einem kleinen Mädchen, das, andernfalls, nicht mehr von mir abgelassen hätte.
Ein interessantes Erlebnis sind auch die fliegenden Händler und der große tägliche Markt, der sich längs über eine Seitenstraße nahe Luxor-Tempel erschreckt. Da braucht man teilweise wirdlich einen soliden Magen – wegen dem Geruch, der dort in der Luft klebt und der Art und Weise, wie z.B. Lebendtiere, Fisch und Fleisch dargeboten werden. Das wirkt gar um ein Hiundertfaches effektiver als Xenical & Co. Trotzdem, man muss diese Betriebsamkeit, das Verhandeln und Darbieten erlebt haben. Leider sind meine mit dem Handy gemachten Fotos von dem hier Erzählten nichts geworden. Naja, je nach dem, auch zum Glück!

Im Steigenberger fühlte ich mich insgesamt wohl. Da es u.a. Heiligabend war, überraschte man mich mit einer bescheiden-gefüllten Geschenkesocke und einem riesigen Stück Torte. Mein Zimmer hatte Aussicht in den Innenhof. Das beneidenswerte Panorama auf den Nil und den Tempel kostet Aufpreis. Es war schließlich eine Weihnachstfeier angekündigt, zu der ich auch eine Einladung erhielt. Ärgerlicherweise hatte ich keine Abendgarderobe. Wer sollte denn ahnen, dass es für derlei Events notwendig würde. Für meine Reise durch Ägypten habe ich nur billigste Wegwerfshirts und ansonsten dezente Kleidung ohne Markenaufdruck und Co gewählt. Ich will nicht zu Schau tragen, dass ich von Außerhalb bin und dass bei mir ggf. Geld und weitere Wertsachen zu finden sind.
Es gab einen Aperitif und schließlich ein oppulentes Büffet am Abend. Der Wein kostete extra. Ich hatte einen großen Banketttisch für mich, doch erbarmte sich der Nachbartisch meiner und lud mich zu sich ein. So saß ich mit besser-situierten Jordaniern und einer englischen Familie zusammen. Insgesamt dominiert die Zahl der im gesetzten Alter befindlichen Briten dort. Für sie ist dies wohl so eine Art Abtauchen zurück in koloniale Athmosphäre, die sie teils selbst in jungen Jahren erlebten oder von Ihren Eltern und Großeltern erzählt bekommen haben. Die Wein- und Getränkerechnung überraschte mich am nächsten Tag – doch was tut man nicht alles für die Völkerverständigung. Da gibt Osman auch englischen Künstlerinnen und Insvestment-Bänkern einen aus. Deren Einladung zur gemeinsamen Heissluftballonfahrt am nächsten frühen morgen musste ich aber, abreiseberingt, ausschlagen. Die Einladung nach England steht (wohl) noch.
Es gab ein langes und buntes Programm, dessen Höhepunkt die Ankunft von Santa Clause mit seinen Elfen war. Der Arme, der da die ganze Zeit im Kostüm
stecken musste. Ich muss dran denken, dass ich das Foto, das ich mit ihm machte, hier einbette. Herrlich; oppulentes Heiligabend als Atheist im
muslimischen Ägypten. That’s life.
Am Nachmittag des letzten Tages in Luxor machte ich mich dann gen Flughafen auf. Statt einem Taxi wurde ich von einem Kaleesh abgefangen. Der Teenager
ließ nicht locker – insbesondere nachdem er erfuhr, dass ich zum weitentfernten Flughafen muss. Er garantierte mir, dass er mich mit seiner Kutsche günstiger dahinbringen könnte. Er würde gar einen Zwischenstopp beim McDonalds für mich einlegen, damit ich mir Proviant für den Trip einkaufen kann.
So trabte das Pferd durch die engen Straßen, über Stock und Stein über ungeplante Umleitungen aus der Stadt über die Autobahn (was laut Kutscher
eigentlich verboten sei) Richtung Flughafen. Vorbei an Feldern und Wiesen ging es. Ich hatte, trotz der Rüttelei und dem lauten Keuchen des Pferdes
so ein “Südstaaten-Gefühl”; so, wie sich die Herrschaften aus “Fackeln im Sturm” (musste ich damals wegen meiner Mutter mitgucken) gefühlt haben
müssten. Nach ca. 40 Minuten lieferte er mich am Eingang ab, verlangte aber “plötzlich” mehr – mit einem Fingerzeig auf sein erschöpftes Pferd und einer
traurigen Miene. Ein guter Geschäftsmann schon in jungen Jahren.
Am Flughafen machte ich eine Erfahrung, die ich vorher schon sehr oft machte: Ägyptische Beamte und Polizisten sind nicht wirklich höflich und hilfsbereit.
Aber auch beim vielen Menschen, die im Service abhängig beschäftigt sind, erlebt man oftmals eine manchmal an Dreistigkeit grenzende Unhöflichkeit. Das Ganze
wurde ein wenig wettgemacht durch ein Upgrade in die Möchtegern-Business-Class, wo ich dann neben einem dicken Geschäftsmann und hinter
einem wichtigen Politiker zwischen mehreren arabischsprachigen Zeitungen auswählen durfte. Zu Essen gab es Saft und ein weiches Brötchen mit einem
nicht definierbaren “Fleisch”-Aufschnitt. Über Kairo als Zwischenstopp sollte es dann weitergehen nach Alexandria, der dritten und letzten Station
meiner Ägypten-Tour. Dazu mehr im Teil III.
Meine Hotelbewertung: Steigenberger Nile Palace
Ägypten – Teil I: Kairo, Moloch am Nil
Ägypten – Teil III: Alexandria, verblasster Glanz an Mittelmeer
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