Izmir & Istanbul
“Merhaba, VaterMutterland!”
Während meiner Italien-(Halb)Rundreise im April 2009 entschloss sich mein Vater, den Reisetermin in die Türkei vorzuziehen. Folglich waren meine Eltern vor meiner Rückkehr nach Deutschland in die Türkei entschwunden, um einige Wochen ihres Rentnerdaseins in wärmeren Gefilden zu verbringen. Als Mama’s Liebling war ich selbstverständlich nicht begeistert. So plante ich ein, dass ich im Sommer für einen Kurztrip nach Izmir fliegen würde.
Wie zu erwarten war, schlug Mama in die gleiche Kerbe und wurde während der Telefonate nie müde, zu erwähnen, dass sie sich über einen Besuch freuen würde. Na, wie könnte Osman seiner Mama das Herz brechen! So kalkulierte ich schließlich für Anfang Juni 2009, die Feiertage ausnutzend, ein Paar Tage mehr ein, um das Notwendige mit dem Nützlichen zu verbinden: Mama und zwei weitere Städte besuchen. Typisch ich eben.
Hinflug von Köln nach Izmir, dann mit dem Taxi nach Gaziemir. So heißt die Gemeinde, die vor den Toren Izmirs und die unmittelbar am Flughafen liegt. Mann, hat sich Gamiemir entwickelt. Vor 15 Jahren war das noch eine riesige Baustelle mit zwei bis drei fertigen Vorführwohungen Städtflüchtige. Ichwar das erste Mal in der neuen, großen Wohnung. Typisch türkische Bauweise eben, mit einem konkurrenzlosen Ausblick – auf den Friedhof. Gaziemir ist klein und bietet trotzdem alles, was man braucht.Die Gemeindeverwaltung achtet sehr auf Sauberkeit und lässt Grünflächen im Sommer unermüdlich bewässern bzw. fluten.
In den 4 Tagen blieb wenig Zeit für mich; Onkel besuchen, Tante besuchen, den besuchen, die besuchen, hierhin, dahin… hatten sie mich alle doch 15 Jahre nicht mehr persönlich gesehen. Bis zu meinem 14 Lebenjahr reiste ich jedes Jahr mit meinen Eltern und dem Rest der Familie in die Türkei in den Sommerferien. Anfangs zu sechst mit dem Auto (Mann, waren das Trips!), dann nur noch der kleine Osman am Rockzipfel seiner Mama, begleitet vom Papa. Dennoch bin ich in Izmir nicht so hemisch, nicht so firm, wie man denken könnte.
Nach Ausflügen in Izmirer Vororte und weiter abgelegenere Dörfer wie Ayrancilar und Co. hatte ich schließlich einen Tag für mich. Ich nahm den Bus ins Zentrum. Nach 40 min. bin ich angekommen, um mich dann bei knapp 40 Grad durch die vollen Innenstadtgassen zu quälen. Izmir ist, wie nicht anders zu erwarten ist, ein Moloch. Groß, dreckig, laut. So viel zu sehen gibt es meines Erachtens nicht – das eine oder andere Museum, die Kadifekale (”Samtburg”), die Hafenpromenade. Zu emfehlen ist auch ein Trip mit der Fähre auf die “andere Seite”, also nach “Karsiyaka”, ein vergleichsweise neuerer, modernerer Stadtteil Izmirs.
Sehr geärgert habe ich mich …über mich selbst. habe ich doch in der Abreisehektik meinen Camcorder vergessen. Insofern kann ich diesem Posting keine bewegenden Bewegtbilder beifügen. Noch ärgerlicher ist, dass die wenigen Kurzaufnahmen mit dem ehemaligen Nokia-Handy und der integrierten 2 Megapixel Kamera erstellten Kurzaufnahmen nichts geworden sind.
So kam der Tag der Abreise gen Istanbul, der ein wenig schwer viel, weil meine Mama sehr nahe am Wasser gebaut ist. Ich habe vorab einen günstigen Inlandsflug ergattert, bei dem sich die Stewardessen sichtlich mühten, innerhalb der 40 min Flugzeit Snacks und Getränke zu servieren – und die Überbleibsel wieder einzusammeln.
Endlich! Istanbul! Viel größer als Izmir und nicht wirklich sauberer. Eine von den Städten, die wahrlich zu keiner Stunde des Tages und der Nacht zur Ruhe kommen. Wer sich an die Empfehlungen der Reiseführer hält, macht nicht wirklich etws falsch. Seine drei bis vier Tage bekommt man in Istanbul wirklich voll mit Sightseeing, Shoppen und Schlemmen. Erwähnen möchte ich doch meine Lieblingsflecken in Istanbul: Eine klassische Bosporus-Tour (ca 1,5h), sowie die Sitzbänke an der Galatabrücke mit Blick zum anderen Ufer, wo der Galataturm erhaben aus dem Häusermeer hinausragt und schließlich das Viertel um den Galataturm. Ungemein entschleunigend – auch wenn einem eine Möwe auf die Schulter kackt (Das zweite Mal in drei tagen Istanbul!)!
Die Hitze vor Ort ist nicht wirklich appetitfördernd. So kam ich mit zwei Mahlzeiten pro Tag aus – zzgl. den vielen Teepausen und dem Obst (meist Wassermelone) am Abend. Ich ernte immer wieder irritierende Blicke, wenn ich sage, dass die klassische türkische Küche nicht wirklich meins ist. Sie ist meist schwer, mit viel Öl, zudem fleischlastig. Klassiker sind Eintöpfe und Suppen. Doch erlebte ich die türkische Küche bis heute nicht so variantenreich und experimentierfreudig, wie z.B. die deutsche oder italienische Küche. Gleiches gilt für Süßspeisen.
Doch, McDonald’s & Co. waren nicht wirklich Alternativen. So gab es lecker Iskender als die klassische Zubereitungs- und Anrichteform des “Dönertellers”; Brotstücke, Fleisch d’rauf, Joghurt dann noch zur Krönung ein Topping mit Nussbutter. Ich möchte auf diesem Wege ans Herz legen, den “Dönerteller” mal als “Iskender” zu probieren. Dann gab’s natürlich auch “Doner Kebab” im Brot. Auch im Brot gab es als Snack Kokric, an das ich mich endlich traute. Machte es mir meine Mama immer wieder madig, weil es doch undefinierbares Fleisch im Schafdarm sei, horizontal am Spiess über offenem Feuer gegrillt. Ich fand’s lecker. Leider habe ich meinem Camcorder zu Hause vergessen und die kurzen, mit dem Handy erstellten Filmsequenzen sind leider auch nichts geworden. Denn dann hätte man sehen können, dass die Türken gerne Snacks von fahrenden Händler kaufen. Etwas, was es leider bei uns nicht gibt: Maiskolben, gebraten oder gedünstet, Knabbermix, Obstspiesse und die handlich-aufgeschnittene Salatgurke to go! Nicht zu vergessen der Snack-Klassiker, der ärgerlicherweise hier in Deutschland nicht so gut schmeckt, wie in der Türkei; würde man Sesamringe, wie man sie hier kaufen kann, in der Türkei anbieten, würde man nichts verkaufen – den Simit. Warum kriegt man das hier in Deutschland nicht hin, dass ein Sesamring dünn, rösch und dunkel ist?! Ich verstehe es bis heute nicht! Überall kann man gekühltes Wasser erhalten, ist das Leitungswasser ja nicht wirklich genießbar. Des Weiteren Limonaden, Tees, Ayran und sogar Saure-Gurken-Lake (inkl. Gurke) zum Trinken! Oft und gerne genoss ich vor den Augen frisch gepresstes Obst oder Gemüse nach Wahl – für ca. 50 Cent pro Glas! Lecker! Ach ja, und natürlich Efes – dat enzije Pils dat d’r Kölsche drinkt. Türkische Rotweine konnten mich bisher leider nicht überzeugen!
Erwatungsfroh ging es dann nach drei Nächten weiter zur nächsten Station – nach Athen. Aber dazu mehr in einem späteren Posting.
[Update]
Na, diese Bilderstrecke beim stern musste ich nachtragen: “So isst die Welt: Türkei” Afiyet olsun!
“Schätze der Welt: Istanbul” (mit Video: 14:51 min.)
“Der Basar von Istanbul” [Audio-Podcast, Bayern2 - radiowissen, 11.01.2008]
“Istanbul – Brennspiegel der türkischen Gesellschaft” [Audio-Podcast, SWR2 - Wissen]
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